Turnfahrt "Munster - Petit Ballon - Kahlwasen - Colmar" - Grand Est - Alsace

  • Organisator: Jürg Gutzwiller
  • Datum: 3. + 4. September 2016
 

Ein Schweizer zeigt die Schönheit seiner zweiten Heimat - das Elsass im Wandel der Zeit ...


Munster,
lieu et fromage

Schon früh am Morgen starteten die Männer aus Zeglingen ihre Reise über Tecknau nach Basel und von dort im sehr zügigen Schritt zum "Französischen Bahnhof". In Saint-Louis stieg schliesslich auch der Reiseleiter in den Zug zu und sogleich begann auch der kulinarische Ausflug ins Elsass. Eine kurze Begrüssung und die frischen "croissant pur beurre" wurden verteilt und auch sofort genossen. In Mülhausen (Mulhouse) verliessen wir den Zug, um auf dem gleichen Geleis auch wieder in den selben Zug zu steigen, nur dass dieses Mal die Zugnummer, wie auch das Reiseziel Colmar ausgewechselt war. In Colmar wechselten wir auf den Regionalzug (TER) ins Munster-Tal.
Ausgeruht erreichten wir Griesbach/Gunsbach und machten uns auf den kurzen Weg zu einem weiteren kulinarischen Treffpunkt.
Die Bäckerei MAURER (Boulangerie Pâtisserie - Artisan Boulanger) erwartete uns bereits mit den vorbereiteten Guggelhopf (Kougelhopf) mit Speck und mit Puderzucker. Dazu wurden entsprechend aus den gekühlten Flaschen "Gewurztraminer" und "Crémant d'Alsace" eingeschenkt. Ein wahrer Genus, so früh am Morgen. Nachdem der erste Hunger des Morgens gestillt war und ein Jeder seine kleine Wegzehrung (morisette) verstaut hatte, ging es weiter in Richtung Gunsbach. Vorbei am Wohnhaus des berühmten Dr. Albert Schweitzer erreichten die Männer das Maison du Fromage.
Der 20-minütige Film machte so richtig Gluscht die wunderschöne Region noch näher kennen zu lernen. Doch bevor wir uns auf den Weg machten, erlebten wir die Arbeiten zur Herstellung des bekannten Munsterkas und als kleine Verköstigung erhielten wir die Spezialität "Siaskass" (Frischkäse mit Rahm, Zucker und Kirsch). Gestärkt mit einem Stück frischem Munsterkas, starteten wir die Wanderung entlang der "La Fecht" nach Munster. In Munster streiften wir kurz über den sich am schliessenden Samstags-Markt und liessen uns zufrieden am Dorfplatz in der Brasserie "La Cigogne" nieder, klar mit Sicht auf die Münsterkirche und eben auch auf die vielen Storchennester mit ihren klappernden Besitzern. Endlich das erste und gar das zweite kühle Bier!
Bei schönstem Wetter begann nun die Wanderung hinauf in Richtung Petit Ballon. Vorbei an den alten Industriegebäuden der Tuchfabrikanten-Dynastie Hartmann, welche das Leben und die Entwicklung vom Munster-Tal seit 1776 bis 2009 massgeblich beeinflusst hatten, den Berg hinauf.
Ein kurzer Schreckmoment, als der Berichteschreiber beim Rückwärtsmarschieren und gleichzeitigem Fotografieren beinahe über ein aufgestelltes Absperrgitter fiel, doch danach folgte der Aufstieg zum nächsten Etappenziel, dem verspäteten Mittagessen auf der ferme auberge "Du Christlesgut". Unterwegs gönnten wir uns einen kleinen Rast und liessen uns die Zwischenverpflegung schmecken, bevor es schliesslich entlang des kleinen Bächleins bergwärts ging. Nicht einmal zwei Stunden später erreichten wir das "Du Christlesgut", wo wir bereits mit einer weiteren Elsässerspezialität erwartet wurden. Erst ein kühles Bier und anschliessend die selbstgemachten "Fleischschnacka", eine Hackfleischfüllung im wie eine Schnecke aufgerolltem Nudelteig mit gartenfrischem Gemüse dekoriert. Ein wahrer Genuss, der noch durch das Sorbet arrosé vervollständigt wurde ...

Petit Ballon, 1272 MüM,
Gruss von der Mariastatue

Nach dieser Stärkung liefen die Motoren wieder sehr viel hochtouriger als zu Beginn der Wanderung. Dadurch war es auch zu erklären, dass sich die Gruppe auseinanderzog und nicht alle den gleichen Weg hinauf zum Gipfel des Petit Ballon mit seiner Maria-Statue nahmen. Denn während die Spitzengruppe den Weg direkt über den Kahlwasen und damit vorbei an der gleichnamigen "ferme auberge Kahlenwasen" nahm, schlug die zweite Gruppenhälfte einen kleinen Umweg ein und absolvierte in der "ferme auberge Buchwald" einen kurzen Boxenstopp, bevor es hinauf zum Gipfel des Petit Ballon ging.... Oben wurden wir mit einer ausgezeichneten Aussicht und vor allem einem 360° Rundblick belohnt. Fantastisch! Die erste Gruppe hatte dies natürlich schon längst hinter sich gelassen und war bereits geduscht und frisch angezogen am Apéro. Den auch die Männer der zweiten Gruppe kurze Zeit später, ebenfalls frisch geduscht und umgezogen begleiten konnten.

Es folgte das Nachtessen, eine weitere Spezialität der Region, das Menu "repas marcaire". Die Malkermahlzeit (abgeleitet vom Melker) besteht aus einer "Tourte à la viande" (gefüllte Fleischpastete), danach "viande de porc fuméee" begleitet vom "roïgabrageldi" (gerächertes Schweinefleisch mit Bratkartoffeln, die zwei bis drei Stundem mit Butter, Speck und Zwiebeln angebraten werden). Nach dieser herzhaften Mahlzeit freuen sich alle auf das abschliessende Dessert und später auf das "klare Wasser".
Der Morgen bringt eine seltene Ueberraschung! Alle loben, dass sie ausgezeichnet geschlafen haben, wahrlich ein Kompliment für das Elsass mit seinen ferme auberge ...
Nach dem Morgenessen folgt das Gruppenfoto und es beginnt die schöne Wanderung hinab nach Munster. Und damit die Sehnsucht nach der Heimat nicht zu gross wird, gönnt uns die Region des Petit Ballon einen ausgezeichneten Blick in die Schweizer Alpen. Unterwegs kehren wir, mit einer kleinen Zusatzschleife in einem kleinen Hotel/Pension Obersolberg ein, leider zur Unzeit, denn das Personal möchte gerne, bevor der grosse Arbeitstag beginnt, das Mittagessen einnehmen. Für uns bedeutet dies, statt Fleisch- und Käseplättchen eben nur Bier, Kaffee, Wein oder Mineralwasser ... Zurück in Munster werden nutzen einige der Männer die Gelegenheit, sich im Le Grand Hotel, Munster sich der schweren Wanderschuhe zu entledigen, sich kurz umzuziehen, um sich optimal für die Stadtbesichtigung in Colmar, der drittgrössten Stadt (Strassburg und Mülhausen) vorbereiten zu können.
Eine kurze Zugfahrt bringt uns nach Colmar und zu Fuss vom Bahnhof mitten ins Stadtzentrum dieser Stadt, mit einer derart reichhaltigen Geschichte. Die Gruppe genoss die Stadt, ein Jeder mehr oder weniger auf individuelle Art und Weise und entdeckte so das Fischereizentrum, welches im 17. Jahrhundert durch einen Grossbrand grösstenteils zerstört wurde und in den Jahren 1978-1981 durch die Bemühungen der Stadt wieder ein wahrhaft schönes Gesicht erhielt. Eine Fahrt auf den kleinen Flussläufen im Petite Venise konnte aufgrund des wunderschönen Wetters und des Grossandranges der Touristen nicht durchgeführt werden, ansonsten hätten die Männer auf das verfrühte Nachtessen, welches bereits um 16:00 Uhr angesagt war, verzichten müssen. Dies wollte niemand und alle trafen sich wieder im "Koifhus" dem ehemaligen Zollgebäude der Stadt. Als Überraschung wurde hier die "Planchette des vins d'Alsace" serviert. Nochmals konnte von den wichtigsten Wein- resp. Rebsorten (Edel, Riesling, Tokay, Gewurz, Pinot Noir) gekostet werden. Dazu passend ein "Gratin pommes de terre au Munster".
Der Abschluss bildete der Besuch der "La Sorbetière d'Isabelle" mit einem Cornet "sorbet framboises et Gewurz". Und während die Glace lustvoll genossen wurde, meldete sich das Wetter zurück. Es begann zu regnen, also höchste Zeit sich auf den Weg zum Bahnhof zu begeben und rechtzeitig geschützt unter dem Sonnenschirm des Bahnhof-Restaurants ein allerletztes Bier zu trinken und dem Regen zuzuschauen ...

Ich denke es ist dem "Ausland-Schweizer" gut gelungen, das Elsass mit seinen kulinarischen wie auch mit seinen sonstigen Vorzügen zu präsentieren. Wir alle freuen uns auf die nächste Turnfahrt, die uns ins schöne Wallis führen wird ...

  • Fotos: Jürg Gutzwiller
  • Bericht verfasst: Jürg Gutzwiller

FOTOALBUM

Hier nun die Bildreportage zum verfassten Bericht ...